Ein bildungspolitischer Kommentar von Ben Lanz (Schüler Union Berlin)

Digitalisierung in der Bundesrepublik – ein altbekanntes Problem.

Doch wie sieht es an Deutschlands Schulen aus? Zum Einen ist die miserable Ausstattung im digitalen Bereich ein riesen Problem. Wir leben in einem der reichsten Staaten der Welt und unterrichten trotzdem im- mer noch mit Mitteln des letzten Jahrhunderts. Wir müssen unsere Art und Weise, mit digitalen Medien im Unterricht zu arbeiten, komplett überarbeiten und an heutige Anforderungen an- passen. Dazu gehört nicht nur die Abschaffung der „Kreidezeit”, welches wir nur schaffen können, wenn wir flächendeckend Smart- und Whiteboards anschaffen. Ebenfalls enorm wichtig um uns nicht von den digitalen Schulen wie zum Beispiel in Estland abhängen zu lassen, ist die Digitalisierung unserer Schulbücher. Das Ziel sollte es sein, alle Schulbücher den Schülern gratis und digital zur Verfügung zu stellen. Das führt zu einer faireren Bildung, da sich niemand die Schulbücher kaufen müsste, und gleichzeitig zu einem besseren Verständnis neuer Medien der Schüler, da sie auch mit E-Books umgehen lernen. Doch es hätte auch einen ganz praktischen Nutzen für die Schüler: Sie müssten nicht mehr die schweren Schulbücher mitschleppen, sondern hätten alle ihr Bücher in einem kleinen Pad. Die Investitionen der Bundesregierung zu diesen Punkten stehen im DigitalPakt Schule. Dieser Fond ist 3,5 Milliarden Euro groß. Das ist zwar ein Anfang, wenn wir aber den Anspruch haben, in absehbarer Zeit ein erfolgreiches, teilweise digitalisiertes Bildungssystem zu haben, ist das einfach nicht genug!
Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, nur die Technik allein reicht nicht aus! Um die Investitionen in die Digitalisierung der Schulen nicht zu verschwenden, brauchen wir Lehrkräfte, die mit den digitalen Geräten umgehen können und sie auch wirklich in den Unterricht mit einbeziehen. In diversen Bundesländern gibt es zwar bereits Fortbildungen zu diesem Thema, trotzdem erleben deutsche Schüler tagtäglich das Versagen der Lehrer im Umgang mit eben solchen Medien! Weil das die Lehratmosphäre und den Unterricht massiv stören kann, muss man dem ein Ende setzen. Dazu bräuchten wir verpflichtende Fortbildungen die länger als zwei bis drei Stunden dauern und nicht einmalig, sondern immer wieder auffrischend sind für jede Lehrkraft, egal ob jung oder alt. Außerdem ist es die Aufgabe der Schülergemeinschaft, die Lehrer immer wieder auf die Nutzung digitaler Medien aufmerksam zu machen und selbst Entwicklung zu fordern.
Ein Smartboard hilft herzlich wenig, wenn vor diesem ein Lehrer steht, der es nicht bedienen kann. Genauso nützt eine Lehrkraft, die Smartboards bedienen kann, ohne ein Smartbord auch nicht viel. Das heißt, wir müssen effektiv sowohl an der Ausstattung als auch dem Kentnisstand der Lehrkräfte arbeiten, um bei der Bildung mit Ländern wie beispielsweise Estland mithalten zu können. Bis wir zufrieden sein können, müssen wir also noch viel tun!

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 01/2018 der SUpport.

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